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Diskussion um Wahlbeteiligung bei Kommunalwahl 2013:

Es ist schon fast ein Ritual – klappt es nicht so, wie man es gerne hätte, dann wird auf die Schulen verwiesen, die es richten sollen. Dieses Schema lief auch bei Politikern und  Kommentatoren im Zusammenhang mit der geringen Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen am 26. Mai ab.

Die Vermittlung demokratischer Werte ist ohne Zweifel ein wesentliches Element im Bildungsauftrag der Schulen.  Forderungen an die Schulen, die Bedeutung von Wahlen zu vermitteln, um so auf eine höhere Wahlbeteiligung zu kommen, sind allerdings praxisfremd. Dies ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage der Fachschaft Wirtschaft/Politik unter den wahlberechtigten Schülern unserer Schule.

62,6 % der Schüler, die zur Kommunalwahl aufgefordert waren, haben auch gewählt (Kreis Rendsburg-Eckernförde 54,2%). Wurde das Thema Wahlen in diesem Schuljahr im Unterricht behandelt, so hatte dies fast keinen Einfluss auf die Wahlbeteiligung (63,1%). Man könnte vermuten, dass Schüler, die das gesellschaftswissenschaftliche Profil gewählt haben, eine größere Motivation hätten, zur Wahl zu gehen. Der Unterschied gegenüber den Schülern mit sprachlichem oder naturwissenschaftlichem Schwerpunkt ist jedoch gering: 65% gegenüber 62%.

Nicht erwartet war das Ergebnis bei einer Unterscheidung nach dem Alter. Gingen von den 16- bis 17-jährigen Schülern 65% zur Wahl, so verringerte sich die Beteiligung bei den Schülern, die mindestens 18 Jahre alt sind, auf 56%.

Selbstverständlich ist die Aussagekraft dieser Umfrage bei 241 befragten Schülerinnen und Schülern gering. Befragungen in anderen Schularten werden sicher zu ganz anderen Ergebnissen führen. Eines ist jedoch deutlich: der Einfluss der Schule auf die Entscheidung eines Jugendlichen, ob er zur Wahl geht oder nicht, wird deutlich überschätzt. Entscheidend – und das wurde auch in Gesprächen in den Klassen deutlich- ist das Gespräch und das Vorbild im Elternhaus. Diese wichtige Funktion darf auch nicht auf die Schule übertragen werden.

Gedanken machen müssten sich die Politiker hinsichtlich der Abnahme der Wahlbeteiligung bei älteren Schülern. Ist der Reiz des Neuen schon verloren gegangen oder führt die längere Beschäftigung mit der Politik, der (scheinbar) größere Durchblick dazu, sich der aktiven Teilnahme an der Demokratie in Form des Wählens zu entziehen

 Ludwig Jessen

 Fachleiter Wirtschaft/Politik

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