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Fortsetzung des Schülerberichts zum Fachtag:

(…) So wurde uns zunächst am Nilpferdskelett die Pachyostose erklärt. Hierbei handelt es sich um die “Verdichtung” der Knochen, welche als Resultat schwerer als die ursprünglichen Knochen sind. Tiere, die sonst Probleme hätten abzutauchen, können nun den großen Luftmassen ihrer Lunge durch ein schwereres Skelett ausgleichen (vergleichbar mit eines Tauchers Bleigürtel).

Am Walroßskelett konnten wir die Fingerknochen von semiaquatischen Tieren besser verstehen. Das Walross nutzt seine vorderen Extremitäten zum Abstützen. Dem entgegen betrachteten wir den Seehund, der als Jäger im Wasser extrem schnell sein muss und daher dessen Fingerknochen stark zurückgebildet sind und einzig zur Steuerung im Wasser dienen. Wir lernten somit, wie man anhand des Aufbaus des Skeletts die Lebensräume, Fortbewegung und Ernährung rekonstruieren kann.

Danach konnten wir anhand verschiedener Walskelette eigenständig versuchen die aquatische Lebensweise und die damit in Zusammenhang stehenden benötigten Anpassungen herauszuarbeiten. Das Zoologische Museum Kiel besitzt eine Sammlung, die sich über 200 Jahre Forschung anhäufte, daher war auch die Anzahl der Walexponate hoch und wir konnten die Unterschiede zwischen den Arten aufgrund von verschiedenen Lebensräumen und damit auch unterschiedlicher Nahrung, gut erkennen. Als Einleitung zu den Walskeletten verblüffte uns Sebastian jedoch zunächst. Er erklärte uns nämlich, dass die Wale zu den Paarhufern gehören, was sich von uns niemand so wirklich vorstellen konnte. Als eine Hypothese und gleichzeitig einer Analogie zu den Walen wurde uns das heute noch lebende Hirschferkel gezeigt, welches im Laufe der Evolution als Schutzmaßnahme vor Räubern am Grund von seichten Gewässern lief und sich somit mehr und mehr an den Wasserlebensraum anpasst hat. Trotzdem sind sie nicht mit den Walen verwandt. Dies ist wohl ein knapp 30 Zentimeter hohes Huftier mit dem wissenschaftlichen Gattungsnamen Indohyus, welches vor mehr als 50 Millionen Jahren lebte.

Uns wurde zudem auch die Kommunikation der Wale näher gebracht. So erreichen beispielsweise die Rufe der Blauwale 188 Dezibel, was die Lautstärke eines Düsenjet (140 Dezibel) weit übertrifft. Allerdings sind die Rufe der Wale nur unter Wasser zu hören. Dort sind ihre niederfrequenten Töne über Hunderte von Kilometer zu vernehmen. Neben der Kommunikation und Verständigung untereinander könne sich Wale jedoch auch mit Hilfe von Töne im Wasser orientieren. Vor allem Zahnwale produzieren in einem fettgefüllten Organ im Kopf, der so genannten Melone, niederfrequente Klicks. Die sende sie als Soundbündel aus und empfangen das Echo des Aufpralls in den fettgefüllten Aushöhlungen des unteren Kieferknochens, von wo sie wieder zum komplett im Kopf befindenden Ohr und Hirn zur Auswertung geleitet werden. Bartenwale können sich auch per Ultraschall orientieren – vermutlich aber schlechter, da sie keine erkennbare Funkfernsteuerung wie die Melone besitzen.

Zum Abschluss haben wir in Kleingruppen spezifische Fragestellungen zu jeweils einem Exponat erhalten (Walross, Manati, Pottwal, Beluga und Marabu). Wir haben eigenständig Hypothesen zur Beantwortung aufgestellt und später der gesamten Gruppe vorgestellt. Wo kann man beispielsweise genauere Verwandtschaften erkennen und sowohl Homologien (Divergenzen), als auch Analogien (Konvergenzen) zwischen verschiedenen Arten erkennen.

Es war ein spannender Tag im Zoologischen Museum Kiel und ein interessanter Exkurs des Biologieunterrichts in ein Themengebiet, welches mit einer solch großartigen Veranschaulichung, wie es in Kiel der Fall ist, ein tolles Erlebnis war und auch für zukünftige Klassen sein könnte.

Nach der Führung genossen wir erneut das wunderbare Wetter mit einem Picknick im Kieler Schloßgarten.