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1. Wann und wie kann ich am Gymnasium Kronwerk Latein lernen?

Am Ende der 5. Klasse (bei G9 am Ende der 6. Klasse) müssen alle Schüler/innen eine 2. Fremdsprache wählen. An unserer Schule haben sie die Wahl zwischen Latein und Französisch. Diese 2. Fremdsprache wird mindestens in den Schuljahren 6 bis 9 (bei G9 in den Schuljahren 7 bis 10) gelernt, oft auch bis zum Abitur.

Für die Oberstufe gilt:
Jeder Schüler/Jede Schülerin muss im 10. Jg. (bei G9 im 11. Jg.) mindestens zwei Fremdsprachen belegen. Im 11. und im 12. Jg. (bei G9 im 12. und 13. Jg.) kommen die nichtsprachlichen Klassen mit einer Fremdsprache aus. Im sprachlichen Profil müssen alle Schüler/innen drei Fremdsprachen belegen.
Latein kann als Kernfach oder als weitere Fremdsprache gelernt werden.
Das Kernfach wird im 10. Jg. (bei G9 im 11. Jg.) dreistündig, im 11. und 12. Jg. (bei G9 im 12. und 13. Jg.) vierstündig unterrichtet.

Latein kann auch als dritte Fremdsprache gelernt werden. Diese beginnt im 8. Jg. (bei G9 im 9. Jg.) und muss mindestens zwei Jahre belegt werden.

Unabhängig davon, ob Latein als 2. oder als 3. Fremdsprache gelernt wird, hat jeder Schüler die Möglichkeit, einen qualifizierten Abschluss, nämlich das Latinum zu machen, das für viele Studiengänge verbindlich ist.

Eine Schule im alten Rom

2. Worauf kommt es im Lateinunterricht besonders an?

Im Lateinunterricht ist es besonders wichtig,

  • dass ich dabei Arbeitsaufträge selbständig und zügig alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen erfolgreich ausführen kann,
  • dass ich lateinische Formen, Sätze und Texte möglichst fehlerfrei ins Deutsche übersetzen kann,
  • dass ich lateinische Texte ideenreich und textbezogen interpretieren kann,
  • dass ich lateinische Wörter, Sätze und Texte richtig aussprechen und lesen kann,
  • dass ich meine Hausaufgaben regelmäßig und sorgfältig anfertige,
  • dass ich die Vokabeln regelmäßig und gründlich (auch die Zusatzangaben!) lerne, sie selbständig wiederhole und für den Übersetzungsvorgang nutzen kann,
  • dass ich die Grammatik (Formen, Endungen etc.) sicher beherrsche und für den Übersetzungsvorgang nutzen kann,
  • dass ich im Unterricht kontinuierlich, aufmerksam und aktiv mitarbeite und der Inhalt meiner Beiträge richtig ist.

3. Welche Themen werden im Unterricht behandelt?

Der Lateinunterricht ist thematisch äußerst vielfältig. Er teilt sich in zwei große Bereiche auf.

Der erste Bereich ist die Arbeit an der Sprache. Hier müssen Vokabeln und Formen gelernt, Übungen gelöst und das Wichtigste! lateinische Texte ins Deutsche übersetzt werden.

Der zweite Bereich dreht sich um die Inhalte der Texte, die wir übersetzen.

In den ersten Lernjahren arbeiten wir das Lehrbuch durch. Bei Latein als 2. Fremdsprache wird in der Regel drei Jahre, als 3. Fremdsprache zwei Jahre mit dem Lehrbuch gearbeitet.
In unserem Lehrbuch ROMA geht es u.a. um folgende Themen und Geschichten: Ein Sklave, der einem Verbrechen im Circus Maximus auf die Spur kommt, Götter und Opfer, die letzten Tage von Pompeji, die Gründung Roms durch Romulus, die mutige Cloelia, Phaethon und Aeneas, Caesar und Kleopatra, die Eroberung Jerusalems durch die Römer, Hannibal und Alexander der Große, die Spiele von Olympia, das Drama der Antigone, der Philosoph Sokrates, die ersten Christen, die Spuren der römischen Kaiser.

In der Oberstufe bestimmen die Texte der römischen Autoren den Inhalt, z.B. geht es bei Plinius um den Ausbruch des Vesuv oder um den Alltag eines römischen Senators oder um die sinnvolle Gestaltung der Freizeit. Bei Ovid geht es um zutiefst menschliche Geschichten aus der griechischen Mythologie oder um die Wirrungen der Liebe, bei Seneca um den Umgang mit Sklaven, um das Verhältnis zu den Mitmenschen und um den Umgang mit dem Tod – die Inhalte und Themen sind in der Oberstufe genauso vielfältig wie die Texte, die wir lesen.

4. Welche Bücher benutzen wir im Unterricht?

Wir benutzen für Latein als 2. und als 3. Fremdsprache das Lehrbuch ROMA  aus dem Buchner-Verlag. Hier findest du einige Seiten aus diesem Buch.

In der Lektürephase, also etwa ab Klasse 9 (für Latein als 2. Fremdsprache) bzw. ab dem 10. Jg. (für Latein als 3. Fremdsprache) arbeiten wir mit unterschiedlichen Textausgaben, je nachdem, welches Thema oder welcher Autor gerade behandelt wird.

5. Warum lohnt es sich, Latein zu lernen?

Ein Interview mit einem Lateinlehrer kann diese Frage beantworten:

Warum sollte man als Schüler das Fach Latein wählen?

Jeder Gymnasiast und jede Gymnasiastin sollte neben Englisch noch mindestens eine weitere Fremdsprache lernen, besser noch zwei.

Englisch und Französisch sind moderne, gesprochene Sprachen. Im Englisch- und Französischunterricht steht darum vor allem die Kommunikation im Vordergrund, also Sprechen und Schreiben in der Fremdsprache. Im Lateinunterricht geht es eher um Reflexion. Da Latein nicht als gesprochene Sprache gelernt wird, spielt der Kommunikationsaspekt im Unterricht keine Rolle, dafür vielmehr das Arbeiten an und mit der lateinischen und deutschen Sprache. Wir gehen der Sprache auf den Grund, versuchen herauszufinden, wie und nach welchen Gesetzen (Grammatik) sie funktioniert.

Gut an der lateinischen Sprache ist, dass sie sich nicht beim flüchtigen Hingucken erschließt. Man muss mit Geduld und Konzentration, systematischem und analytischem Denken an die einzelnen Sätze herangehen, um sie zu knacken und in ein angemessenes Deutsch zu bringen. Man muss sehr genau hinschauen (oft kommt es auf einzelne Buchstaben an!), tüfteln und kombinieren. Auch die Vokabeln und Formen müssen immer wieder gründlich gelernt werden. Latein ist also eine Art Fitnessstudio des Geistes.

Beim Übersetzen kann der Schüler sprachlich kreativ werden, indem er versucht, für die lateinischen Sätze adäquate deutsche Übersetzungen zu finden. Darum schult der Umgang mit dem Lateinischen in der Regel auch die muttersprachliche Kompetenz, und zwar in den Bereichen Grammatik (was ist eigentlich ein Adverb?), Wortschatz (die meisten Fremdwörter kommen aus dem Lateinischen und lassen sich darum leicht erkennen und verstehen: Ein Manuskript ist in der Grundbedeutung eine Handschrift, von manus und scribere) und Ausdruck: Bei lateinischen Texten handelt es sich meist um anspruchsvolle Texte, die auch in der Übersetzung ein gehobenes Sprachniveau erfordern.

Das gilt auch für andere Sprachen: Mit Latein im Hinterkopf lassen sich vor allem die romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, auch Rumänisch) leichter lernen, weil man viele Wörter erkennt und die Grammatiken eng verwandt sind. Zum Beispiel schätzt man, dass 80% des englischen Wortschatzes aus dem Lateinischen stammen. Auch in anderen Sprachen haben die meisten Wörter lateinische Wurzeln:

Daneben ist Latein auch ein Kulturfach, das sich permanent mit den historischen und kulturellen Grundlagen Europas beschäftigt. Fast nebenbei lernt der Schüler mit Hilfe des Lehrbuchs Interessantes und Wichtiges aus der europäischen (Kultur)geschichte kennen: Wie lebten die Menschen in der Antike? Welche privaten und gesellschaftlichen Probleme hatten sie? Von Homer über Caesar bis Konstantin – die bedeutenden Gestalten der antiken Literatur und Geschichte. Der Kampf um Troja, die Abenteuer des Odysseus, Dädalus und Ikarus, Ödipus und Antigone, Medea und Jason, Romulus und Remus, die Mythen der Griechen und Römer. Die Beschäftigung mit diesen Themen zwingen zum Vergleich mit der Gegenwart: Was ist vergleichbar? Was hat sich geändert? Wo und wie können wir aus der Vergangenheit lernen? Im Lateinunterricht findet also immer wieder eine Auseinandersetzung mit einer fremden Kultur statt.

Schließlich führt erfolgreicher Lateinunterricht auch zum Latinum, also einer Zertifikation, die Zulassungsvoraussetzung für viele Studiengänge ist.

Wozu kann man die Sprache Latein im späteren Leben gebrauchen?

Nicht als Sprache, die man sprechen kann! Aber in den Bereichen kulturelle Gundbildung und sprachliche Bildung kann der Lateinunterricht Inhalte und Anregungen vermitteln, auf die man sein Leben lang zurückgreifen kann. Außerdem schult der Lateinunterricht das Textverständnis: kompliziertere Texte, verschachtelte Sätze mit zahlreichen Fremdwörtern und Fachbegriffen lassen sich mit Latein im Hinterkopf ohne große Probleme entschlüsseln. Daneben kann das Latinum für viele Studiengänge nützlich sein, aber das ist nicht das Wichtigste.

Was macht man am meisten im Unterricht?

Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche: Am Anfang einfache Sätzchen wie Antonia in foro est, in der Oberstufe anspruchsvolle römische Autoren wie Plinius, Ovid, Catull, Vergil oder Seneca.

Was sind die Nachteile an Latein?

Seine oben geschilderten Vorteile sind gleichzeitig auch seine Nachteile. Es ist kein leichtes Fach. Als Schüler muss man permanent am Ball bleiben, also arbeiten und lernen, sonst verliert man schnell den Anschluss. Nimmt man sich mal eine längere Auszeit, hat man es ganz schwer, wieder heranzukommen. Insofern kann der Lateinunterricht auch Lernkompetenzen wie Ausdauer, Geduld, Fleiß und Genauigkeit fördern.

Warum ist Latein als Unterrichtsfach immer noch so beliebt?

In Deutschland lernen zur Zeit knapp 700.000 Schülerinnen und Schüler Latein, damit ist Latein weiterhin nach Englisch und Französisch die beliebteste Fremdsprache an deutschen Schulen. Über die Gründe für diese ungebrochen große Beliebtheit wurde schon viel spekuliert. Vielleicht spielt die Globalisierung eine Rolle: Die Menschen in Deutschland besinnen sich auf ihre kulturellen Wurzeln. Vielleicht spielen die PISA-Studien eine Rolle, in denen u.a. festgestellt wurde, dass deutsche Schüler im Bereich Lesekompetenz Defizite haben. Vielleicht hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Lateinkenntnisse doch nicht so nutzlos sind, wie oft gesagt wurde. Auf jeden Fall hat sich der Lateinunterricht in den letzten Jahrzehnten erheblich gewandelt: Sturen Pauk- und Grammatikunterricht mit Sätzen und Texten, die sich vorrangig mit Kriegen und Schlachten beschäftigen, gibt es längst nicht mehr. Der Lateinunterricht ist überaus vielfältig geworden und bietet neben der Arbeit an der Sprache eine ganze Fülle von Themen, die auch für Schüler unserer Zeit interessant und faszinierend sind.

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