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In einer abgewandelten Form kennt die evangelische Religion/Theologie ein jahrhundertealtes Sprichwort aus der Kirchengeschichte, nach dem der Unterricht sich immer beständig auf neue Begebenheiten einzustellen hat, ohne klassische Themeninhalte an einen vorübergehenden Zeitgeist preisgeben zu müssen (doctrina semper reformanda est).

Das Fach Religion geht diesem Anspruch am Kronwerk Gymnasium auf unterschiedlichen Ebenen nach. Beispielsweise zielt das Bemühen in der Orientierungsstufe gerade beim Wechsel von der überschaubaren Welt einer Grundschule an ein zumeist drei Mal so großes Gymnasium, das vom Takt unterschiedlicher Fachdisziplinen bestimmt wird, darauf ab, Inseln der Ruhe im Religionsunterricht zu bieten. Diese Lerninseln der Besinnung mögen sich dem hektischen Fluß des Ungewohnten entgegenstellen. Die Begriffe der Pause (lateinisch: Unterbrechung) und der Schule (griechisch: Muße) werden im Prozess eines verlangsamten Lernens erfahr- und erlebbar gemacht. So wird neben Phantasiereisen und Stilleübungen, die es erlauben, sich selbst zur Ruhe kommen zu lassen und neue Kraft zu schöpfen, in Gruppenarbeiten der 5. Und 6. Klassen zu den verschiedensten Themenfeldern immer wieder das Prinzip der Langsamkeit eingeführt. Sei es, dass in Gruppenarbeit eine bunte Schöpfungspyramide zur altestamentlichen Erzählung aus dem 1. Buch Mose hergestellt oder eine Geschichte zu einer neutestamentlichen Erzählung in Form einer Abfolge von Collagenbildern geschaffen werden. Gleiches gilt für ein Thema wie fremde Religionen, wo mit Besuchen der ehemaligen Synagoge in Rendsburg, dem Dr. Bamberger Haus, das gemeinsame Lernen auf einen außerschulischen Lernort verlagert wird, um eine andere religiöse Kultur weitgehend anschaulich werden zu lassen. Ein ähnliche Vorgehensweise gilt für die dritte Geschwisterreligion zum Christentum neben dem Judentum, den Islam. Am Ende des sechsten oder im siebten Schuljahres wird diese dritte semitische Religion behandelt.

Eingeübt wird darüberhinaus der werteorientierte Umgang der Schüler untereinander, z.B. in einer Unterrichtsreihe mit dem Titel “Miteinander leben”, in der eigne Fähigkeiten entdeckt werden, die es einem ermöglichen, sich im Prozess des Erwachsenenwerdens zurecht zu finden: Themen wie Gruppendruck, Ausgegrenztsein oder Werte und ihre Bedeutungen in unserer Zeit reihen sich in dieses Themenfeld ein.

Der Oberstufenunterricht bietet neben Themen wie Fremdreligionen in ihren sozialen und geographischen Verflechtungen (Hinduismus, Buddhismus, Taoismus etc.) die Möglichkeit einzelne Schwerpunkte in eigener Regie und mit Engagement selbst zu setzen, insbesondere im 12. Jahrgang: Die Frage nach der Herkunft von Gottesbildern, einschließlich des Verhältnisses von Naturwissenschaften zu einer Gottesvorstellung, wechseln in der Regel mit Themen der Religionskritik, den Fragen nach sozialer Gerechtigkeit (Wirtschaftsethik), der Bioethik (Gentechnik/Organverpflanzung) oder Fragen aus der Fremdenethik und der Individualethik (der Tod im menschlichen Leben) ab.

Bedauerlicherweise bleibt es wegen des personalen Engpasses in dem Fachgebiet Theologie/ Religion ein Desiderat den Unterricht auch auf den 13.Jahrgang auszudehnen und es als Wahlpflichtfach im Abitur zu etablieren.

Zur Zeit sind am Kronwerk Gymnasium nur zwei Lehrkräfte tätig:

Jürgern Albrecht
Dr. Burkhard Krause

Die Fachschaft Theologie/Religion gestaltet aus ihren Unterrichtsaktivitäten eine Wand des Treppenhauses mit sogenannten Hungertüchern (cf. die nachfolgende Erklärung zur Traditioin der Hungertücher) aus. Zwei Themenblöcke stehen dabei im Vordergrund:
A) Ethische Grundfragen (Fremdenethik, Wirtschatsethik, Bioethik u.a.)
B) Zentrale Feste im christlichen Jahreszyklus

Die nachfolgenden Motive der Hungertücher stammen ausnahmslos von Misereor in Aachen und sind über den dortigen Vertreib zu beziehen !

GLOBALES LERNEN – HUNGERTÜCHER ALS PROTESTSYMBOLE

Die Tradition des Hunger – oder Fastentuches

In unserem Sprachgebrauch gibt es den Ausdruck : “am Hungertuch nagen”. Hier aber liegt ein Mißverständnis vor, denn ursprünglich hieß es am Hungertuch nähen. Das Hungertuch ist ein großer weißlinnerner Vorhang (Fastenvelum), das bereits im Jahr 1000 nachweisbar ist und während der Fastenzeit (Quadragesimä) bis zum Karmittwoch in den meisten Kirchen am Eingang des Chores angebracht wurde. Es diente dazu, den Altar zu verhüllen und zur Buße zu mahnen. Zumeist wurde es mit gemalten oder gestickten Bildern zum Leidensweg (Passion) Jesu Christi verziert. Weil es am Mittwoch der Karwoche während des Gottesdienstes bei den Worten: “Velum templi scissum est”= Und der Vorhang zerriß (beim Tod Jesu am Kreuz/ Lk. 23,45) entfernt wurde, hieß es auch “velum templi”. Die einzelnen Stücke des Vorhangs mußten erneut zusammengenäht werden: es wurde ein Hungertuch genäht.

Als man den Sinn des Wortes “Hungertuch” nicht mehr verstand, wurde aus “nähen”, “nagen”, weil man sich in der Verbindung mit Hunger vorstellte, daß dieser durch “nagen” wohl besser gestillt werden könnte als durch “nähen”. Der Brauch erhielt sich nach der Reformation (16. Jhdt.) noch bis zum Barock (17. Jhdt.) , wo er durch den Einzug der Fastenkrippen mit der Darstellung des Ölberges und der Stationen des Kreuzigungsweges zurückgedrängt wurde, bis er in der Zeit der Aufklärung fast vollends verschwand. In einigen Lanstrichen Spaniens (Sevilla und Toledo), auf Sizilien, in der Bodensee-Gegend und im Münsterland erhielt sich der Brauch bis in unser Jahrtausend. 1975 wurde diese Tradition von einer kirchlichen Entwicklungshilfeorganisation wiederbelebt, um auf zentrale Probleme sozialer Gerechtigkeit in den wirtschaftlich unterentwickelten Ländern unseres Erdballs , in denen immerhin 2/3 der Menschheit leben, aufmerksam machen zu können. Seither werden Künstler aus unterschiedlichen Regionen dieser Welt gebeten, zu Spannungen und Konflikten innerhalb ihrer Länder, aber auch im globalen Zusammenhang des Nord/Süd-Gefälles von Reichtum und Armut Stellung zu nehmen und den kulturellen wie auch religiösen Reichtum ihrer Heimat in einer leicht faßlichen Bildersprache widerzuspiegeln. Das Hungertuch entwickelte sich zu einem Glaubenzeugnis der sogenannten dritten Welt an die vermeintliche erste Welt.

Harald Behrendt

“DasAfrikanische Hungertuch- Fremdenethik”

“Unter dem Schatten deiner Flügel will ich Zuflucht suchen, bis das Unheil vorübergeht” (Ps. 57,2).

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A) Fremdenethik

Theologische Perspektiven zur Fremdenaufnahme

Die biblische Tradition ist reich an Zeugnissen über den Schutz des Fremden und der Verfolgten. Angefangen von dem Bereich privater Hilfeleistungen bis zur Einrichtung des Tempelasyls (asylos topos) oder von Asylstädten, in denen der Flüchtende Schutz vor Blutrache fand, obschon die Prüfung seiner Unschuld weiterhin ausstand.

Motiv zum Schutz des Fremden sind die Erinnerungen an das eigene Exil in dem ältesten Glaubensbekenntnis Israels: “Ein umherirrender Aramäer war mein Vater, der zog mit wenig Leuten nach Ägypten und blieb daselbst ein Fremdling… Und der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, Angst und Not und führte uns aus Ägypten… Er gab uns dieses Land, ein Land, in dem Milch und Honig fließt” (Dtn. 26,5-10). Für die gesamte innerbiblische Geschichte zum Fremdenrecht ist der begründende Verweis auf die eigene Fluchtgeschichte entscheidend, der in der Rechtsbestimmung nach einer Gleichbehandlung des Fremden gipfelt: “Wie ein Einheimischer aus eurer Mitte gelte auch der Fremdling, der sich bei euch aufhält. Du sollst ihn lieben wie dich selbst” (Lev. 19,33 ff). Alle drei Rechtssammlungen des Alten Testaments durchzieht das Recht des Fremden, dessen Bedürfnisse angesprochen und die in argumentativen Begründungen ein nachdrückliches theologisches Gewicht erhalten. Das älteste Rechtsbuch der Bibel (Ex, 22,20-23,32) spricht als Negativgebot Normen zur Behandlung des Fremden aus.: Ex. 22,20 “Einen Fremden sollst du nicht bedrücken und sollst ihn nicht bedrängen, denn ihr seid (selbst) im Land Ägypten Fremde gewesen”.

Ex. 23,9: “Einen Fremden sollst du nicht bedrängen, weil ihr die Seele des Fremden kennt, denn ihr seid (selbst) im Land Ägypten Fremde gewesen”.

Die positive Ausgestaltung dieser Wahrnehmung findet sich im Deuteronomium, dessen theologisch gewichtigster Satz in einer hymnischen Gottesprädikation (Dtn. 10,17-19) kulminieren: Der Preisung “der Gott über den Göttern und Herren ist”, folgen die Aussagen “der Recht schafft der Waise und Witwe” und schließt mit der nachdrücklichen Forderung “und ihr sollt den Fremden lieben, denn ihr seid auch Fremde in Ägypten” (Vers 19) gewesen. Gottes Liebe wurde von Israel als Befreiung erfahren und “schlägt zugleich eine Brücke zwischen Israel und den Fremden”, so daß die Fremden nach den Sozialgeboten nicht ungeliebt bleiben können. Das Alte Testament liefert mithin ein Modell einer Ethik, das auf die Bedrohlichkeit des Fremden nicht mit Vertreibung reagiert, sondern das seine nationale und religiöse Identität durch den Schutz der anderen gewinnt Das hebräische Wort ger bedeutet sich als Fremder, Gast oder Schutzbürger auf dem heilsgeschichtlich von Jahwe als Erbbesitz gestifteten Land des alten Israels niederzulassen . Die Wurzel jagar (sich fürchten) verweist hierbei auf eine semantische Doppelgesichtigkeit, denn “fremd sein”, “angreifen” und “feindlich sein” sind zwei verschiedene Erscheinungsformen der gleichen Person, die für den Alten Orient zeigen “wie bedroht die Existenz des Fremden und wie schwer sein Los naturgemäß war” (Schreiner, S. 72).

Das priesterschriftliche Recht räumt den gerim als Schutzsuchendem ohne Land erstmals die gleichen Rechte wie den angestammten Israeliten ein (Lev. 24,22; Num. 15, 15f). Die priesterlichen Texte weisen durchgehend auf den Exodus als Akt der Aussonderung und Heiligung aus den anderen Völkern hin (Lev. 11,44 f), indem Jahwe Israel “sich selbst zuordnete. Die Heiligkeit des Gottesvolkes ist eine der Heiligkeit Gottes entsprechende Gabe, der Israel dann aber auch im Verhalten entsprechen soll” .

Der Exodus als Aufbruchsymbol

Die Bibel ist vom individuellem Exodus Abrahams als Wirtschaftsflüchtling bis zur Geschichte der politischen Verfolgung von Jesus ein Buch von Flüchtlingen für Flüchtlinge. Von besonderem Gewicht und prägend für die gesamte innerbiblische Geschichte des Fremdenrechts ist der Exodus als Symbol des Aufbruchs und der befreiungstheologischen Rettung aus der menschlichen Rechtlosigkeit in einem Fremdstaat. Israel konstituiert sich als Volk in der Fremde Ägyptens und als Flüchtlinge erreichen sie das verheißene Land, in welchem sie zunächst ohne Land neben den grundbesitzenden Kanaanäern leben, von denen in der Regel auf friedlichem Wege Landstücke erworben werden (Gen 23, ev. Verweis auf die historische Unzutreffendheit der Schilderungen des Buches Josua).

Der Aufbruch bedeutet ein Wende zu einem sozialen Neubeginn, der sich aus der eigenen psychischen Erfahrung der Verpflichtung gegenüber dem Fremden bewußt ist. Die eigene Identität läßt sich nur in der positiven Offenheit gegenüber den Fremden bewahren, denn “Israel kann ihnen kein anderes Recht gewähren (…), ohne sich selbst aufzugeben”. Die christliche Rezeption einer solchen Verbindung zwischen Fremdenethik und Identität betont der inneren Logik des israelitischen Rechtsverständnisses nach, daß Freiheit und Wohlstand nicht zu erhalten sind, wenn nicht die Menschen aus den ärmsten Ländern daran teilhaben können.

Biblische Perspektiven zum Fremdsein im Neuen Testament

Die christliche Rezeption der Fremdenaufnahme steht in der Tadition der Erzvätergeschichten von Abraham, Isaak und Jakob, deren Glaubens- und Lebenserfahrung auf ihren Hungermärschen (Gen.12 und Gen. 26) von der Einsicht getragen wird “Gäste und Fremdlinge auf Erden zu sein” (1.Chr. 29,15). Nach dem Zeugnis der synoptischen Evangelien hat Jesus das Schicksal eines Fremden selbst erfahren. Die Geburt im Stall (Lk. 2,7) und die politische Flucht nach Ägypten vor dem kindermordenden Herodes weisen auf seinen Flücht-lingsstatus hin. Als wandernder Rabbi zog Jesus, angewiesen auf Gastfreund-schaft, ohne Besitz umher: “Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege” (Mt. 8,20).

Gesellschaftlich am Rande stehend, wird die Fremdheit anderer durchbrochen, indem er mit allen Sozialschichten Tischgemeinschaften abhält. Im Lukasevangelium finden sich zahlreiche Berichte von der gastfreundlichen Aufnahme Jesu, die in dem Emmausmahl (Lk. 24, 13-35) eine wegweisende Tiefendimension erreichen, denn die eigenen Jünger sehen in dem Auferstandenen zuerst den Fremden. Im Deutungshorizont des NT erreicht das priester-schriftliche Gebot der Fremdenliebe einen qualitativen Sprung: Der Fremde wird zum Nächsten. Als Gäste Gottes auf Erden ist die Gastfreundschaft ethisch verpflichtend und an keine soziale und kulturelle Zugehörigkeit gebunden (Gal. 3,27). Insofern wird sie zum bleibenden Sinnbild der Güte Gottes, die keiner zeitlichen Begrenzung unterliegt, sondern als dauerhafte Annahme und Schutz ausgesprochen wird. Die konstitutive Gewißheit in einigen Kulturen, daß der Gast nach einem sozial genau reglementierten Aufenthalt, wieder als potentieller Konkurrent um wirtschaftliche Ressourcen fortgeht, hebt die neutesta-mentliche Ethik der Fremdenaufnahme auf.

Die neutestamentlichen Aussagen erreichen ohne Zweifel in den Worten des Gleichnisses vom Weltgericht ihren Zenit.: “Ich war fremd und ihr habt mich beherbergt” (Mt. 25,35). Diese Vorstellung, daß im Fremden und Armen als individualisiertem Exodusschicksal uns Jesus selbst begegnet, bildete den ethischen Maßstab der Alten Kirche. Dem Strom der umherirrenden Bettler, Flüchtlinge und Fremden begegnen die christlichen Gemeinden angsichts der seit Mitte des 3. Jahrhunderts existierenden Massenarmut im Mittelmeerraum mit der Errichtung von Xenodochien (= “Herbergen”) und Hospitälern.

Harald Behrendt

B) Pfingsten im christlichen Festzyklus

Pfingsten – Ein Nachhall der Begegnung mit dem Fremden

Pfingsten, griechisch Pentekoste genannt, ist der fünfzigste Tag nach der Auferstehung Jesu, dem Osterereignis. Seinen Namen verdankt der Feiertag dem jüdischen Passahfest (hebräisch pessach jsp??), an dem Jesus in Jerusalem am Karfreitag starb. Wie Ostern eng mit dem jüdischen Passahfest verbunden ist, so fällt Pfingsten mit dem Schawuot, dem Wochenfest der Trauer über die vielen Verfolgungen der Israeliten und die Erinnerung an die zehn Gebote Mose vom Sinai als zweiten von drei großen Wallfahrtsfesten (Passah, Schawuot, Sukkot), zusammen. An diesen Tagen war jeder Mensch jüdischen Glaubens verpflichtet, in die Stadt Davids nach Jerusalem zu pilgern.

So handelte gleichermaßen Jesus im Bewußtsein, er werde in Jerusalem wegen seiner Überzeugung und Lehre zum römischen Foltertod, der Kreuzigung, verurteilt. Auf seinem Leidensweg und in seinem Tod begleiteten ihn Frauen. Maria aus einem israelischen Ort namens Magdala, Salome und die Mutter Jesu, die bekanntlich ebenfalls den Namen Maria trägt, waren bei ihm, als er sterben mußte.

Da ereignete sich etwas Merkwürdiges. Als die drei Frauen zu dem Felsengrab kommen, ist es leer. Zuerst erscheint er in einer anderen Gestalt (Mk. 16,9) Maria aus Magdala und erst viel später den männlichen Jüngern, die vor Angst geflohen waren. Frauen sind es also, die die Vorstellung und das Geheimnis der Auferstehung Jesu zuerst verbreiten. Die männlichen Apostel schenkten ihnen keinen Glauben. Wiederum erscheint Jesus in einer anderen Gestalt (Lk. 24, 1-35) zwei Anhängern auf dem Weg nach einem Ort namens Emmaus. Diese Begegnung mit dem Fremden, dem Ungewohnten, dem Andersartigen ist auf dem afrikanischen Hungertuch in der Mitte abgebildet. Als Fremder und Vertrauter nimmt die Gestalt Jesus an einem gemeinsamen Mahl mit seinen Anhängern (Jüngern) in Emmaus teil.

So wie Jesus als Fremder und Verfolgter empfangen wurde, so ist es nach den jüdisch-christlichen Bestimmungen (Ethik) die Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, solange sie in Lebensgefahr sind. In den alten Sammlungen göttlichen Rechts wird daran erinnert, den Schutzsuchenden (hebräisch myrg gerim) wie jemanden aus dem eigenen Volk zu behandeln:

Ex. 22,20 “Einen Fremden sollst du nicht bedrücken und sollst ihn nicht bedrängen, denn ihr seid (selbst) im Land Ägypten Fremde gewesen”.

Ex. 23,9: “Einen Fremden sollst du nicht bedrängen, weil ihr die Seele des Fremden kennt, denn ihr seid (selbst) im Land Ägypten Fremde gewesen”.

Also liefert das Alte Testament ein Verhaltensmodell menschlichen Zusammenlebens, das auf die Bedrohlichkeit des Fremden nicht mit Vertreibung reagiert, sondern das seine nationale und religiöse Identität durch den Schutz der anderen gewinnt. Das hebräische Wort rg ger bedeutet, sich als Fremder, Gast oder Schutzbürger auf dem heilsgeschichtlich von Jahwe (Gott) als Erbbesitz gestifteten Land des alten Israels niederzulassen. Die Wurzel rwg gur (sich fürchten) verweist hierbei auf eine Doppelbedeutung hin, denn “fremd sein”, “angreifen” und “feindlich sein” sind zwei verschiedene Erscheinungsformen der gleichen Person, die für den Alten Orient zeigen, wie bedroht die Existenz des Fremden und wie schwer sein Los naturgemäß war.

Als ein Zeugnis dieser ungewöhnlichen Geschehnisse wird später dann berichtet, dass in Jerusalem, wo so viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Völkern mit gänzlich anderen Sprachen lebten und leben, sich alle plötzlich in einer Gemeinschaft verstanden, als die Jünger Jesus am Pfingsttag zusammenkamen.

Harald Behrendt

“Das Hungertuch aus Haiti”- Schöpfungstethik

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Der jüdisch-christliche Glaubenskreis kennt einen ganz besonderen Umgang mit dem Landbesitz 8hebräisch: der nahala). Der Boden ist von daher nur geliehenes Gut und gehört letztlich Gott allein. Ein zentraler Ansatz der heutigen befreiungstheolgischen Bewegeungen in Lateiamerika und Afrika. Zudem beinhaltet diese Vorstellung die Verpflichtung die erhaltene Schöpfung für die nächsten Generationen zu bewahren. Diese Vorstellung ist mit dem Schöpfungsbefehl in gen. 1 (Dominium terrae) gemeint: Gehet hin und machet die Erde Euch untertan, aber behandelt sie fürsorglich !

Harald Behrendt

“Das Hungertuch aus Indonesien”- Wirtschaftsethik

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Das Alte und Neue Testament kennen ein Vielzahl von ethischen Bestimmungen zur Verteilung des Bodens und des Besitzes, um mehr soziale Gerechtigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Eine Vielzahl dieser Gedanken hat unser Grundgesetz, unser Wohlfahrtssystem, die Menschenrechte oder neuere Überlegungen zu einer weltweiten Sozialethik nachhaltig beeinflußt. So rief dieses Hungertuch aus Indonesien im Jahr 2000 u.a. dazu auf, den ärmsten Ländern der Erde ihre Schuld zu erlasse, wie es das dritte Buch Mose (Kapitel 25, 8-34) mit dem Jobbeljahr fordet, wonach alle 50 Jahre die ursprünglichen Besitz- und Rechtsverhältnisse wieder herzustellen sind, um einer grenzenlosen Ausbeutung Einhalt zu gebieten.