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Die Zukunft unserer Städte?

Gymnasiale Bildung zeigt sich überwiegend akademisch-kopflastig: Entsprechend bietet unser Geographie-Lehrbuch seitenweise theoretisches Wissen, Material und Fallbeispiele zum Thema „Raumordnung / Stadtentwicklung“.

Die Klasse E a wollte aber Stadtentwicklung nicht nur mit Papier- und Theorielastigkeit bearbeiten, sondern mit Praxisbezug und Anschaulichkeit tiefergehend verstehen. Gerne wurde deshalb das Angebot von unserem Geographielehrer Herrn Rosenthal angenommen, in Begleitung von Frau Siemer eine ganztägige Exkursion in die Hafencity Hamburg zu unternehmen. Dort wollten wir sozusagen „mit Auge und Herz“  Erfahrungen machen mit moderner Stadtplanung und deren Umsetzung – “Real-Begegnung” nennt das die Didaktik, wie wir vom Lehrer erfuhren.

Die Hafencity Hamburg, größtes städtebauliches Projekt Europas, kann dabei stellvertretend gesehen werden für globale Prozesse: Alle Städte der Welt sehen sich heute mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert, für ihre Bewohner eine zukunftsfähige Gestaltung des urbanen Lebensraumes zu organisieren. Dabei stehen die Städteplaner vor der Aufgabe, nachhaltige Lösungsstrategien zu entwickeln und diese umzusetzen. Diese Ansätze galt es nun in Hamburg zwischen Speicherstadt und Elbe neugierig, aber auch kritisch in den Blick zu nehmen.

Nach theoretischer Einführung am  Luftbild des Planungsraumes verschafften wir uns während  mehrstündiger Führung  einer Architektin ein Bild von diesem neuen Stadtteil: Gesamteindruck sowie Details ließen das Hamburger Konzept moderner Stadtplanung in klarer Konsequenz erkennen: visuelle und verkehrstechnische Anbindung an die bestehende City; originelle, aber zum Teil gewöhnungsbedürftige Modernität der Architektur; Wohn- und Arbeitsplätze in unmittelbarer Nachbarschaft; Verkehrsberuhigung bzw. überwiegend autofrei; Maritimität als äußerer Rahmen aller räumlich verdichteter städtischen Bedürfnisfunktionen; Nachhaltigkeit auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene.

Sicher ein interessantes Konzept, aber gerade die augenfällige Perfektion der Umsetzung dieser planerischer Ziele wirkte auf die meisten von uns kühl und künstlich – irgendwie „gewollt“ und zu perfekt. Oder auch nicht, denn von der angestrebten sozialen Durchmischung der Bevölkerung war auf den Straßen der Hafencity wenig wahrzunehmen. Eher fiel uns – dann doch wie im Lehrbuch beschrieben – soziale Segregation auf: Uns begegneten überwiegend junge Menschen in Business-Outfit oder „DINKs“ (double income no kids), kaum ältere Menschen oder Kinder, keine Migranten. Aus unserer Wahrnehmung lassen hohe Kauf- und Mietpreise hier ein Quartier mit deutlichen Merkmalen einer Lifestyle- bzw. „Elite-/ Prestige Community“erkennen. Der Hinweis auf einen bestimmten Konzept-Anteil auch sozialen Wohnungsbaus wirkt wie eine Alibi-Funktion.

In der Hafencity Hamburg wohnen wollte auf jeden Fall kaum einer von uns. Dennoch erlebten wir einen interessanter Ausflug in die stadtgeographische Realität, der in folgenden Unterrichtsstunden vielfältigen Anlass zu weiter Diskussion bot über die Stadt der Zukunft.

 

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