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Simulation POL&IS (Politik & Internationale Sicherheit):

Die POL&IS-Welt ist voller Konflikte und Aufgaben für die Politiker der 11 Regione

Politik einmal anders erleben –

Zwei Mal aus Schülersicht:

Kurz vor Ende unserer Zeit auf dem Kronwerk beschlossen einige Mitglieder des 13. Jahrgangs, das Angebot von Herrn Rosenthal anzunehmen, für ein paar Tage aus dem Schultrott zu entfliehen. Wir sollten für zwei Nächte in der Internationalen Bildungsstätte „Jugendhof  Scheersberg“ untergebracht und versorgt werden, während wir die Welt regieren.

So setzten sich am Montag, dem 26. März 2012, ca. 50 Schüler des Abiturjahrgangs mit Hilfe eines Bundeswehrbusses in Bewegung. Nach einer knappen Stunde Fahrt kamen wir dann auch schon im Nirgendwo an –  für uns junge Leute wirklich ein Schock, denn um den Jugendhof Scheersberg herum gab es nichts außer Wiesen, Felder und Wälder. Dies hatte natürlich den Hintergrund, dass wir abends nicht auf die Piste konnten und das Gelände freiwillig nicht verließen. Dies tat der Stimmung aber nichts ab, sondern voller Elan gingen wir an die erste Phase unseres Planspieles.

Während eines Besuches der Jugendoffiziere an unserer Schule, hatte jeder schon seine Rolle zugeordnet bekommen. Somit wurden die verschiedenen Regionen wie z.B. USA, Europa, Ozeanien, Arabien mit jeweils einem Regierungschef, der gleichzeitig Umweltminister war, sowie Wirtschaftsminister und Staatsminister besetzt. Zusätzlich gab es noch die überregionalen Organisationen, wie UN-Generalsekretär, Weltpresse, Weltbank und NGOs (Greenpeace), denen jeweils zwei Schüler zugeordnet wurden. Die überregionalen Organisationen durften sich während des Spieles frei in den Räumen bewegen, um an möglichst viele Information aus den jeweiligen Regionen zu gelangen.

Nach einer kurzen Einleitung bezogen wir erst unsere Zimmer, bekamen  Mittagessen und begannen dann mit dem Spiel. Am Anfang zogen sich die verschiedenen Spiel-Phasen noch etwas in die Länge, da jeder seine Einspielzeit brauchte und es auch relativ umfangreich war, was mal in seiner Rolle alles zu beachten hatte. Nach der ersten Kaffeepause ging es allerdings schon etwas flotter voran, und jeder hatte sichtlich Spaß an der Sache. Die ersten überregionalen Verträge wurden geschlossen, es wurde wild gehandelt, damit jede Region ihre Bevölkerung zufriedenstellen konnte. Da das Einspielen doch etwas länger dauerte als vorgesehen, schafften wir leider kein ganzes Jahr am ersten Tag. Nach dem Abendbrot beschäftigte sich somit jeder, wie er es mochte, da wir doch ganz schön geplättet waren.

Pünktlich um 8 Uhr am nächsten Morgen gab es dann Frühstück. Danach ging es mit neuer Kraft in die letzte Phase des ersten Jahres, und das erste POL&IS-Jahr wurde erfolgreich abgeschlossen. Sofort wurde mit dem neuen Jahr begonnen, und man bemerkte schnell, dass die Einspielphase vorüber war. Jeder wusste, was von ihm verlangt wurde und handelte dementsprechend. Alles lief nun schneller ab. Bald kam schon die Zeit für das Mittagsessen, die Kaffeepause fiel relativ kurz aus, da wir wirklich etwas schaffen wollten und nicht durch das ganze Essen lahmgesetzt werden wollten. An der Börse wurde gehandelt, als würde es kein morgen geben. Als Zuschauer kam man sich vor wie auf einem türkischen Basar.
Bei den Staatsministern kam es zu kleineren Konflikten, da der Weltpresse großen Glaube geschenkt wurde und somit Truppen versetzt wurden, wo sie eine gewisse Bedrohung darstellten. Aber bevor ein Krieg ausbrach, handelten die Regionen einen Friedensvertrag aus und alles schien gerettet.

Manche Regionen wurden durch die Zufallsgeschehnisse, die durch die Jugendoffiziere eingespielt oder von den Würfel bestimmt wurden, mal positiv, mal negativ heimgesucht.
Allerdings arrangierten sich die entsprechenden Regionen so gut mit den restlichen, dass es keine weiteren Auswirkungen gab.
Nach dem Abendbrot beendeten wir das dritte Jahr, um am nächsten Morgen fit ins vierte Jahr zu starten. Da nun jeder den genauen Ablauf kannte, ging alles flotter und reibungsloser als den Tag davor. Einigen wurde es zu langweilig, und es wurde ein Angriff geplant, der leider nicht stattfand, da die Regionen die ganze Zeit sehr auf Frieden bedacht waren.
Kurz vor Mittag beendeten dann die Jugendoffiziere mit einem großen Knall das Spiel – Sie ließen die mit viel Arbeit aufgebaute POL&IS-Welt durcheinander geraten und auf einander losgehen, bis schließlich eine der letzten atomaren Waffen hoch-  und unsere Welt unterging.

Bei dem Abschlussgespräch bedankten wir uns bei den Jugendoffizieren, dass sie uns so freundlich begleitet und mit Rat & Tat zur Seite gestanden haben, und bei unseren Lehrern, Herrn Jessen und Herrn Rosaentha,l dass sie uns diese Erfahrung ermöglicht haben.

Ein bisschen sentimental wurde es noch, als uns klar wurde, dass dieses unsere letzte große gemeinsame Aktion als Jahrgang gewesen war. In wenigen Wochen werden wir unser Abitur in den Händen halten und in alle Himmelsrichtungen aus der Schule schwirren.

Trotzdem möchten wir das Planspiel  PO&IS  gerne den folgenden Jahrgängen weiterempfehlen. Man bekommt einen Einblick in das tägliche Handeln  der Politiker, man muss gewissenhaft handeln, versteht die Zusammenhänge der überregionalen Konzepte besser und sieht vieles in der großes verrückten Welt klarer. Zusätzlich hat man noch ein paar Tage neben der Schule, um nochmal mit allen Leuten etwas Gemeinsames aufzubauen.

Lisa-Marie Busch, 13 a, April 2012

 

POL&IS 2007

Das Telefon klingelt. Jemand nimmt ab. Am anderen Ende der Leitung droht eine Stimme mit dem Einsatz radiologischer Waffen irgendwo in der Welt. Dies abzuwenden ist nun die Aufgabe der elf Staatsminister. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Doch es misslingt. Wenig später explodiert über Denver eine schmutzige Bombe, die schwerwiegende Folgen für Nordamerika verursacht. Aber auch die Regierungen der anderen Regionen erkennen die Gefahren solch unvorhergesehener Ereignisse und müssen umgehend handeln.

Anfang Dezember trafen sich Schüler des 12. und 13. Jahrgangs an drei aufeinander folgenden Tagen in der Liegenschaft Borgstedt der Bundeswehr, um für diese Zeit die Geschicke eines ganzen Erdteils in die Hände zu nehmen. “Politik und Internationale Sicherheit”, kurz Pol&Is, ist ein Planspiel, das bereits seit den 80er Jahren von der Bundeswehr mit interessierten Jugendlichen durchgeführt wird. “Ziel ist es, den jungen Menschen in vereinfachter Form die politischen und wirtschaftlichen Abläufe in der Welt nahe zu bringen” sagt Kapitänleutnant Belter über die Hintergründe der Veranstaltung. “Sie lernen spielerisch verschiedenste Aspekte internationaler Politik kennen.”

Zusammen mit Hauptmann Honczarow steht Belter den Schülerinnen und Schülern an allen drei Tagen mit Tipps zur Seite. Beide sind Jugendoffiziere der Bundeswehr und lenken das Planspiel seit mehreren Jahren mit Jugendlichen aus Schleswig-Holstein. Dabei erkennen sie immer wieder die Begeisterung der Schüler. “Es hat noch nie so viel Spaß gebracht, sich runtermachen zu lassen” sagt Annina Graeber, Vertreterin der Nichtregierungsorganisation Greenpeace am Ende der Veranstaltung. Diese Reaktion zeigt die Schwierigkeiten einiger Standpunkte. Gerade die Vertreter der regierungsunabhängigen Organisationen haben es an allen Tagen schwer. Und dennoch wirkt die Atmosphäre zumeist sehr friedlich. In verschiedenen Phasen eines “POl&Is Jahres” müssen die Teilnehmer als Regierungschef, Staats- und Wirtschaftsminister, als Vertreter einer Nichtregierungsorganisation, der Weltbank, Weltpresse oder der Vereinten Nationen international agieren. Ruhige Beratungsphasen wandeln sich im Handumdrehen zu stressigen Verhandlungsphasen. Verträge werden vorbereitet und unterzeichnet, Abkommen werden geschlossen und der ein oder andere “POl&Is Dollar” fließt auch unter der Hand. Korruption und aggressives Handeln bleiben jedoch außen vor. Über die täglichen Aufgaben wie dem Aufbau und der Stabilisierung der Wirtschaft hinaus sind aber auch und gerade die Reaktionen auf Zufallsereignisse interessant. Diese werden nach Ende eines jeden Pol&Is Jahres von den Regierungsmitgliedern ausgewürfelt oder von den Jugendoffizieren vorgegeben. Hier gilt es schnell und effektiv zu handeln, um die Unterstützung der Bevölkerung zu behalten. Dies zeigt sich bei den Wahlen, die alle drei Pol&Is Jahre stattfinden.

In einer flammenden Rede fordert der amerikanische Oppositionsführer, in diesem Fall als Staatsminister, den Regierungschef heraus und zeigt ihm die Fehler seiner Regierungszeit auf. Mit handfesten Argumenten und strategischen Wahlkampagnen gelingt es ihm, das Volk für sich zu gewinnen. Der Führungswechsel ist perfekt. So ändern sich die Macht- und Entscheidungsverhältnisse über die verschiedenen Zeitabschnitte der Pol&Is Jahre hinweg und zeigen damit die Komplexität des Themas auf. Die Jugendlichen trainieren während der Veranstaltung neben inhaltlichen Aspekten der internationalen Politik und Wirtschaft auch die heute gern als “Soft-Skills” bezeichneten Fähigkeiten. Sie bauen ihre rhetorischen Fähigkeiten aus, um sich bei Reden präsentieren zu können, sie diskutieren über schwierige Themen und müssen sich in die Rolle kritischer Personen und Länder begeben. Die Reaktionen der Teilnehmer zeigen, dass das Konzept des Planspiels aufgeht. POl&Is schafft es, gerade junge Menschen für sonst schwierige Themen wie Wirtschaft oder Politik zu begeistern. Es bleibt zu hoffen, dass auch in den kommenden Jahren Schüler die Möglichkeit erhalten werden, an dem Planspiel teilzunehmen.

Christian Dethlefs, 13. Jg.

Mai 2007